Was ist das genau? Warum macht man so etwas?
Das sind die Fragen die ich mir immer wieder anhören darf.

Mir persönlich geht es nicht darum in ein altes Wohnhaus zu gehen und mir die persönlichen Dinge die dort vielleicht noch liegen können anzuschauen und mir ein Urteil über die einst dort lebenden Personen zu bilden, nein geht mir darum die Schönheit von etwas außergewöhnlichem zu sehen. Davon Fotos oder Videos zu machen, und diese mit etwas Hintergrundwissen und Recherchen über das, was einst dort war, aufzuwerten und die Geschichte, hier erzählt wird wiederzugeben.

Wenn ich in größeren Städten unterwegs bin und suche nach lost Places, stelle ich immer wieder fest dass die Menschen nicht verstehen können, dass man ein Gebäude zerfallen lässt. Aber die Schönheit die daraus entstehen kann, sofern nicht alles mutwillig zerstört wird, wird übersehen und damit auch das Bewusstsein für unsere Umwelt.

Es muss nicht immer ein Gebäude, eine Kaserne oder ein Industriebau sein, es kann auch ein alter stillgelegter verlassener und vergessener Bahnhof sein, der so versteckt liegt das man ihn nicht mehr findet, weil die Natur hier ihren Lauf genommen hat. Alles wurde mit Gras Büschen verdeckt, scheinbar unsichtbar für den Menschen gemacht.

Die Geschichte die diese Orte erzählen, sind meistens sehr interessant, vielleicht auch ein wenig traurig. Dennoch erzählen sie von einer längst vergessenen Zeit, in der vielleicht nicht alles besser war aber vielleicht anders, vielleicht schöner und ruhiger.

Da ich selbst in der Zeit des kalten Krieges geboren wurde und auch in dieser Zeit aufwuchs, lernte ich durch die amerikanischen Freunde die zu unserer Familie gehörten, viele Stützpunkte kennen, die nicht unbedingt die Geschichte von Krieg und Zerstörung erzählen, vielmehr erzählen sie die Geschichte einer Zeit in der vieles ganz anders war, einiges einfacher und schöner war.

Urban Exploring oder auch Lost Places genannt kann man so einfach nicht erklären, aber man kann es versuchen. Für mich persönlich bedeutet das, den Zerfall von Industriegebäuden, alten Stil gelegten Kasernen und alten Wohngebäuden, zu fotografieren. Mich fasziniert daran immer wieder die so schwach geglaubte Natur sich Bauwerke aus Beton und Stahl zurückholt.

Die dadurch entstandenen Motive bzw. die dadurch entstandene Architektur einzigartig und atemberaubend. Nicht jeder erkennt diese gewisse Schönheit, die die Natur beispielsweise einem alten Bauwerk verleihen kann.

Wer selbst einmal auf einer Last Places Tour war, versteht sicherlich genau was ich hier meine.“ Zeige den Menschen den Zerfall, vielleicht verstehen sie es dann.“ Das ist etwas, was ich immer wieder sage. Wir als Menschen mit unserem Können und unserem Wissen, unseren Fähigkeiten etwas zu bauen, sind machtlos gegen die Kraft der Natur.

Persönlich sehe ich mich was das ganze Thema betrifft eher als eine Art Reporter, der mit Hintergrundwissen und Recherchen über diese verlassenen, vergessenen und zerfallenen Orte berichtet.

Meistens erzählen sie die Geschichte einzelner, kleiner und unwichtiger Personen an die sich heute keiner mehr erinnert. Sie erzählen davon wie einst eine Familie in einem längst zerfallenen Haus gelebt hat, wie dort die Kinder großgezogen wurden gemeinsam gekocht und gegessen wurde, sie erzählen von Freude, Kummer und Leid.
Bei alten stillgelegt Kasernen kann man meistens die Geschichte hören, wie schlimm es nach den Kriegen war, wie gefährlich doch die Bedrohung aus dem Osten war. Zeitzeugen im kalten Krieg, die nicht nur davon erzählen dass einst das Militär darauf stationiert war, nein sie erzählen auch die Geschichte davon das einst hier Freunde mit ihren Familien leben, die sich um unsere Sicherheit sorgten.

Leider zerfallen viele dieser Gelände die immer noch bebaut sind vor sich hin, andere wiederum wurden abgerissen weil sie störten und eine schlechte Erinnerung hervorrufen wenn man daran denkt oder darüber spricht. Der zweite Weltkrieg gehört nun mal zur deutschen Geschichte ebenso wie der erste Weltkrieg. Aber auch die Geschichte des kalten Krieges gehört dazu.

Die Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie aus dem kalten Krieg sind für mich sehr interessant, da es hier bei uns geschah, vielleicht direkt vor unserer Haustür und wir immer noch Überreste aus dieser Zeit finden.
Von daher sehe ich mich nicht nur als Reporter sondern als Hobbyhistoriker, der in der Geschichte forscht, mithilfe alter Berichte und dem Zerfall einstiger Bollwerke.